Die Nacht war still. Alle Geräusche schienen verschwunden zu sein, als hielte die Welt selbst den Atem an. Nian konnte immer noch nicht glauben, was geschehen war. Eine Mischung aus Faszination und Fassungslosigkeit durchsetzte ihn – zu stark, als das er noch hätte Angst haben können. Mit angehaltenem Atem starrte er den Mann an. Ihren Retter, der dort in einem See aus Blut stand. Langsam verblasste die Finsternis um ihn herum, schien in ihm zu versickern wie Wasser auf Sand. Nians Blick strich über das kalte, glitzernde Metall der Schwerter – an denen seltsamerweise kein Tropfen Blut klebte. Die Klingen wurden halb verdeckt von dem wallenden, schwarzen Mantel, den der Kämpfer trug. Ein kostbar aussehendes Stück Stoff, an den Rändern und Säumen mit blauen und roten Runen verziert. Der Umhang schien ihn bloß zu umspielen, jeder flüchtigen Bewegung zu folgen, wie ein dünnes Blatt dem Wind. Er schmiegte sich an die ebenfalls schwarze Rüstung aus mit dunklen Eisennieten beschlagenem Leder, an der mehrere kleine und große Taschen angebracht waren. Dies war keine der protzigen, aber sinnlosen Paradeuniformen, die die Adligen auf ihren Festen und Feiern so gerne trugen, dies war eine Rüstung, die für den Kampf gedacht war – und die vielen kleinen Flicken und Kratzer zeigten, dass sie auch dafür benutzt wurde. Seine Augen wanderten weiter, hinauf zu dem Gesicht des Mannes. Hinauf zu der trotz der sengenden Wüstensonne nur leicht gebräunte Haut. Zu der dünnen Narbe, welche sich quer über die linke Wange zog. Doch das Auffälligste waren seine Haare. Ihre Hüterin hatte ihm manchmal Geschichten von den Barbaren hoch im Norden erzählt, dort, wo die Sonne nie die Erde küsste und eisige Winde das Land beherrschten.
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- Zukunft ist etwas, das die Menschen erst lieben,
wenn es Vergangenheit geworden ist.
(William Somerset Maugham)
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