Er atmete die Nacht, ließ sich von der Dunkelheit erfüllen. Er griff nach der altbekannten Kälte in seinem Geist, seinem Körper, seinen Adern – trank von dem süßen Gefühl der Macht, wohlwissend, welches Verderben sie mit sich brachte. Neue Lichter tanzten durch sein Gesichtsfeld. Dünne, unentwirrbare Knoten, sich schlängelnd und windend wie sturmgepeitsche Wolken. Seele. Kiar’cha’lan, die Geistesesse. So viele Namen, so viele Titel – einer bedeutungsloser als der Andere. Es war das Leuchten des Lebens, das in jedem Menschen steckt. Schnell holte er seine Schwerter aus dem Versteck, dem hohlen Balken direkt über dem Eingang der Schenke. Mit einem schnellen, geübten Handgriff schwang er sich aufs Dach – und er sprang. Von Dach zu Dach trug ihn seine Reise. Er erklomm Zinne um Zinne, immer höher, höher hinaus. Obwohl pures Eis durch seine Adern toste und sein Herz gefror genoss er den Augenblick. Er rannte über die knarzenden Planken der Armenquartiere, brüchige Hütten, die man kaum als Haus bezeichnen konnte. Er sprintete über die gemauerten Villen der Händler und Reichen, spürte jede Rille, jede Kante, jede Unebenheit unter seinen Füßen. In diesen Augenblicken zeigte sich das wahre Wesen von Elena, seinem Leitstern seit so vielen Jahren. Sie kannte seine Ketten – und schenkte ihm diese Augenblicke, diese Momente voller Freiheit. Die Nacht selbst tanzte mit ihm, während er so von Dach zu Dach sprang zu sprang, nur begleitet von seinen Brüdern, den Schatten – und nur mit den Sternen, als einzigen Zeugen.

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