Die Augen des Alten waren von der Farbe frisch gefrorenen Wassers – und wie eisige Kälte brachten sie seine Seele zum Erschaudern. Er fühlte, wie etwas nach seinem Geist griff, ihn packte – und aus seinem Körper riss. Weg von der Lichtung, dem Wald – schneller und immer schneller flog er, getragen von den Schwingen einer riesigen weißen Krähe. Jeder Schlag der Flügel brachte ihn höher, so dass selbst die Wolken weit unter ihm zurückblieben. Und dann sah er sie in der Ferne – gewaltige Berge, die selbst zu fliegen schienen. Jeder Schlag der gewaltigen Schwingen brachte sie rasend schnell näher, und schon wenige Atemzüge später konnte er Einzelheiten erkennen. Details , die ihm den Atem verschlugen. Er hatte sich nicht getäuscht – es war massiver Stein, der sich dort über den Wolken bewegte. Doch waren es keine Berge, kein Werk der Natur. Es waren Städte. Gewaltige Festungen, tief hinein in den Fels gehämmert. Das Licht der Sonne brach sich auf der spiegelglatt polierten Oberfläche, schenkte ihr den Glanz frisch gefallenen Schnees. Schnee? Woher kam dieses Wort? Was bedeutete es? Doch sein Verstand verlor die Fäden bereits wieder. Zu atemberaubend war der Anblick der schwebenden Städte. Tiefe Höhlen durchbrachen überall den ansonsten festen Fels. Helles Licht schien aus ihnen, doch es war viel zu regelmäßig, zu rein für bloßes Feuer. Er blickte in eine der Kammern, sah einen gewaltigen Kristall schimmern, knapp über dem Boden schwebend, von einer nie endenden Rotation erfasst. Alle Farben des Regenbogens strahlten ihm entgegen, während der ansonsten transparente Stein das Sonnenlicht aufzusaugen schien. Sein Geist gierte nach der Pracht, doch er musste den Blick abwenden, das Feuer der Strahlen brannte bereits in seinen Augen. Sein Blick wanderte weiter über die Stadt, versuchte alle Wunder zu gleich zu erfassen. Gläserne Brücken spannten sich zwischen den einzelnen Segmenten, gewährten ungetrübten Blick auf den kaum noch erkennbaren Boden tief, tief unter ihnen. Die Pfade waren dicht bevölkert. Seltsame Wesen wanderten hin und her, fast menschenähnlich, und dennoch… Flügel sprossen aus ihren Rücken, manche schuppig, mache aus Federn – und manche bunt wie die eines Schmetterlings. Er fragte sich, wer sie waren, wie sie lebten – und ob sie nur ein Traum waren, eine Fantasie, in die ihn die Angst hatte flüchten lassen. Er wollte zu ihnen, sie studieren, mit ihnen zusammen durch die Wolken tanzen und die Sonne streicheln. Doch die Krähe hatte andere Pläne. Er musste würgen, als sie die Flügel anzog – und sich einfach fallen ließ. Er klammerte sich fest, zog einzelne Daunen aus dem Gefieder. Wind peitschte ihm ins Gesicht, riss ihm den Atem von den Lippen. Eine gewaltige Sumpflandschaft breitete sich unter ihm aus. Ein Flussdelta, ungebrochen von Horizont zu Horizont. Tausend kleine Nebenarme ergossen sich aus einem einzigen riesigen Hauptstrom. Legionen von Bäumen und Büschen schmiegten sich um seinen Leib. Eine unmöglich erfassbare Pflanzenpracht folgte jeder kleinen Mündung, jeder Kurve. Haushohe Farne sprossen dort, wo der Fluss seine Mäander ins Land gegraben hatte. Überallem lag eine Kakophonie von Gesang und Geschrei, Summen und Singen. Vogelschwärme stoben empor, bunt gefiederte Papageien, leuchtend in allen Farben des Regenbogens. Sie umschwirrten, beäugten ihn neugierig – mit Augen, in denen wache Intelligenz funkelte.
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